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Dr. med. Johannes Probst: ehemaliger Präventionsbeauftragter des Gesundheitsnetzwerkes Schwarzwald-Baar und Facharzt für Allgemeinmedizin in Sankt Georgen

 

Ein Gespräch mit Dr. med. Johannes Probst über Prävention in der Medizin

Was bedeutet Prävention?
Prävention in der Medizin bedeutet Krankheitsvorbeugung und beinhaltet Maßnahmen, die geeignet sind, einer auf Grund von genetischer Veranlagung, persönlicher Schwäche oder Risikofaktoren drohenden Erkrankung zuvorzukommen. Prävention ist ein aktiver Schritt und setzt Eigeninitiative voraus – niemand kann einem dies abnehmen. Institutionen können dies nur anbahnen.

Sie sind ehemaliger Präventionsbeauftragter des Gesundheitsnetzwerkes Schwarzwald-Baar – was sind die Aufgaben eines Präventionsbeauftragten?
Präventionsbeauftragte erkennen Tätigkeitsfelder, die mit institutioneller Förderung aktuelle Themen im Bereich der öffentlichen Gesundheitsfürsorge aufgreifen und die sich lohnen, meistens auf kommunaler oder Kreisebene ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht zu  werden. So können beispielsweise Vorsorgeuntersuchungen, Bewegungsinitiativen, Ernährungstrends oder Anti-Nikotin-Kampagnen angestoßen und umgesetzt werden. In den vergangenen Jahren hat es sich bewährt, diese Umsetzung auf kommunaler Ebene anzusiedeln und mit Hilfe der kommunalen Verwaltungen umzusetzen.

Gibt es ausreichend Ärzte im Schwarzwald-Baar-Kreis, um den Behandlungsbedarf abzudecken?
Aktuell sind in der Fläche des SBK, der zwei sogenannte Mittelbereiche umfasst, statistisch noch genügend Ärzte für die Versorgung der Patienten niedergelassen, während die Krankenhäuser wohl größere Nöte für ihre Stellenbesetzung haben. Allerdings ist die Verteilung der Ärzte in der Fläche höchst unterschiedlich, so dass einzelne Kommunen und Kreisregionen erkennbar unterversorgt sind infolge nicht nachbesetzter oder abgezogener Arztsitze. Diese Unterversorgung findet sich vor allem in ländlichen Regionen im hausärztlichen und vereinzelt auch im fachärztlichen Bereich. Die Talsohle dieser Entwicklung dürfte noch nicht ganz erreicht sein. Ich rechne jedoch damit, dass wir spätestens in vier bis fünf Jahren wieder eine ansteigende hausärztliche Versorgung auch in ländlichen Gebieten haben werden. Dafür stellen wir in mehreren Regionen aktuell die Weichen, indem Kreis- und Kommunalverwaltung zusammen mit der kassenärztlichen Vereinigung nach einer schon erfolgten Analyse vor Ort mit den Kollegen Lösungsmuster erarbeiten und umzusetzen versuchen.

Welche Art von Präventionsmaßnahmen sollten stärker genutzt werden?
Es gibt zwei Präventionsbereiche, die jedem offen stehen und die wahrscheinlich mehr als 30% der Tumorerkrankungen, der Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern könnten. Und die darüber hinaus relativ kostengünstig sind: Ernährung und Bewegung. Die Aufklärung darüber könnte jeden erreichen, der Augen und Ohren öffnet, könnte von jedem umgesetzt werden, der es wirklich will und benötigt lediglich Disziplin und Ausdauer. Dies sind allerdings auch die größten Hinderungsgründe. Um hier einen Bewusstseinswandel zu erreichen, braucht es die konzertierte Anstrengung aller Akteure, von der richtungsweisenden Politik, über die kommunale Verstärkung bis hin zur Ärzteschaft, den Krankenkassen und Sportverbänden.

Wie können Ärzte den Patienten dabei helfen, Präventionsmaßnahmen konsequenter umzusetzen?
Ärzte können die Intentionen Ihrer Patienten positiv verstärken, versuchen zu motivieren, nach Möglichkeit auch mit eigenem Beispiel vorangehen, wiederholt animieren – auch außerhalb Ihrer Sprechstunden. Und Krankenkassen könnten auch monetär ihre Patienten belohnen. Umsetzen müssen es aber die Patienten selbst.

Inwiefern profitieren Sie von der Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsnetzwerk?
Das Gesundheitsnetzwerk SBK könnte als Kommunikations-Plattform für diese Präventionsmaßnahmen dienen und auch die verschiedenen kommunalen Aktivitäten im Kreis verstärkt bekannt machen. Prävention muss einfach zu einer Volksbewegung werden, damit der Druck auf jeden Einzelnen steigt, mitzumachen. Hierbei könnte das Gesundheitsnetzwerk als Motor und Multiplikator verstärkend wirken. Erst wenn eine Idee zu einer gesellschaftlichen Bewegung geworden ist, erreichen wir auch die weniger Gesundheitsbewussten, Bewegungsmuffel und Ernährungsumstellungs-Resistenten.

Macht Ihnen die demographische Bewegung Sorgen?
Die demographische Entwicklung – ein rasanter Anstieg der Älteren und immer weniger junge Erwerbstätige – wird das Gesundheitswesen schon bald an die Grenzen der Finanzierung führen. Die  Prävention, die ja geeignet ist, die gesunden Lebensjahre zu vermehren und die Krankheitsphase ans Ende des Lebens zu schieben, das heißt die chronischen Erkrankungen auch zu reduzieren, könnte hierbei eine sehr positive Rolle spielen. Kurzfristig gesehen verteuert Prävention das System, weil viele Menschen länger leben und die chronischen Krankheiten noch nicht abgenommen haben. Langfristig kann sich jedoch konsequente Präventionsarbeit kostenmindernd auswirken.

Wie entspannen Sie nach einem langen Arbeitstag?
Wir haben zu Hause beispielsweise keinen Fernseher. Entspannung finden wir beim Lesen, Musizieren und im persönlichen Gespräch. In der kalten Jahreszeit gehe ich auch gerne in die Sauna. Außerdem treibe ich jeden Morgen mindestens 30 Minuten Sport.

Was gibt es in und um St. Georgen zu entdecken?
Die sonnige Bergstadt hat eine zauberhafte Umgebung mit vielen landschaftlichen und auch kulinarischen Reizen. Das kulturelle Eigenleben der Stadt ist intensiv und der kommunale Zusammenhalt groß. Dies erfahren wir ganz besonders auch in unserer kommunalen Gesundheitsbewegung, die seit mehr als 25 Jahren regelmäßig kommunale Gesundheitstage veranstaltet. Dies führt zu einer hohen Grundzufriedenheit der Bewohner und einer hohen Lebensqualität. Am Ende lacht dann nicht nur die Sonne, sondern auch der Bürger.