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Wie gelingt gesundes und bewusstes Leben?

vdek baden-wuerttemberg frank winkler pressesprecher
„Wir setzen uns für die Interessen der Ersatzkassenversicherten in Baden-Württemberg ein und sind ein starker Partner in der Gesundheitspolitik“ Frank Winkler, stellvertretender Leiter der vdek-Landesvertretung Baden-Württemberg.

 

Ein Gespräch mit Frank Winkler über betriebliche Gesundheitsförderung, zukunftsorientierte Krankenhausplanung und wichtige Elemente für ein bewusstes und gesundes Leben. 

Stellvertretender Leiter der vdek-Landesvertretung

Wer ist der Verband der Ersatzkassen und was sind seine Aufgaben?
Der Verband der Ersatzkassen mit seiner vdek-Landesvertretung Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart nimmt als Bevollmächtigte der Ersatzkassen gesetzliche Verbandsaufgaben vor Ort wahr. Dazu zählen insbesondere die Ausgestaltung der Verträge mit Leistungsanbietern und die Interessenvertretung in politischen Gremien. Landesweit vertreten wir über drei Millionen Versicherte bei einem Marktanteil von 32 Prozent innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung. Mit unserer Erfahrung in der Vertragspolitik verfügen wir über eine breite gesundheitspolitische Expertise. Wir sind Ansprechpartner für Landtag, Landesregierung, Kommunen und andere Entscheidungsträger. Durch Veranstaltungen, Pressemitteilungen und Publikationen wie den „ersatzkasse report.“ bringen wir gesundheitspolitische Analysen und Bewertungen in die Diskussion ein. Zu unseren Aufgaben: Zum operativen Geschäft der Landesvertretung gehören Vertrags- und Vergütungsvereinbarungen mit Ärzten, Zahnärzten, Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen. Wir sind als Partner bei der Krankenhausplanung beteiligt, ebenso an der Bedarfsplanung für niedergelassene Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten. Dazu kommen die Zulassungen und Qualitätsprüfung sonstiger Leistungserbringer wie Physiotherapeuten, Masseure, Sprachtherapeuten, Logopäden und Podologen. 
Immer wichtiger wird die gesetzliche Pflegeversicherung. Wir schließen mit Pflegeeinrichtungen und ambulanten Diensten Versorgungsverträge und Vergütungsvereinbarungen ab. Mit dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung organisieren wir Qualitätsprüfungen von Einrichtungen und veröffentlichen diese Ergebnisse. Mit differenzierten Verträgen ermöglichen wir weitere Gesundheitsangebote, etwa die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe in Kitas und Schulen sowie die Versichertenberatung im Rahmen der Pflegestützpunkte. Zudem organisieren und finanzieren wir die gemeinschaftliche Förderung von Gesundheitsförderungs- und Präventionsprojekten, Selbsthilfe und ambulante Hospizdienste. 
 
Was sind Ihrer Meinung nach wichtige Herausforderungen von denen wir im Bereich Gesundheit und Pflege stehen. Wie können diese angegangen werden?
Die größte Herausforderung ist sicherlich der gesellschaftliche Wandel. Die demografische Entwicklung mit der daran gekoppelten Zunahme der Morbidität ist für alle Beteiligten des Gesundheitswesens eine große Herausforderung. In Anbetracht dieser Situation müssen wir in Teilen auch intensiv auch über komplett neue Versorgungsstrukturen nachdenken und diese dann entsprechend mit allen Beteiligten besprechen und entwickeln. Hierbei ist derzeit die Digitalisierung, auch im Gesundheitswesen – in aller Munde. Allerdings müssen wir hier aufpassen, die Digitalisierung als ein Instrument für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung zu betrachten. Wir müssen aber stets auf die Wünsche und Vorstellungen der Versicherten bzw. der Patienten eingehen und deren Interessen in der Gesundheitsversorgung berücksichtigen. 
 
Was können Unternehmen im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung tun, damit Arbeitnehmer gesund bleiben?
Tatsache ist, dass wir qualifizierte und erfahrene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen, um die gesellschaftlichen Herausforderungen annehmen zu können. Das heißt für mich, dass auch die Unternehmen selbstverständlich ein ureigenes und potenzielles Interesse daran haben müssen, dass ihre Belegschaft gesund ist und auch bei einer längeren Lebensarbeitszeit gesund bleibt. Die gesetzlichen Krankenkassen bieten bereits seit vielen Jahrzehnten eine Fülle von Gesundheitsförderungs- und Präventionsleistungen an. Deshalb sind wir auch als Experten in Sachen Prävention und Gesundheitsförderung als ein wichtiger Payer und Player anerkannt. Das Engagement im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung darf sich jedoch nicht nur auf die Finanzierung durch einzelne Akteure, etwa den Krankenkassen, beschränken, sondern zielt auf alle Akteure des gesellschaftlichen Lebens ab. Betriebe und Unternehmen müssen ihre Beiträge leisten. Auch die Eigenverantwortung jedes Einzelnen für die eigene Gesundheit im Rahmen seines persönlichen Verhaltens, zum Beispiel im Bereich der Bewegung oder der Ernährung, müssen in unserer Gesellschaft weiterhin als ein grundsolides Fundament fest etabliert sein. Beim Thema Rauchen etwa können wir bereits Erfolge verzeichnen, was den Rückgang an Raucherinnen und Rauchern anbelangt. Jeder muss sich „Gesundheit“ bewusst machen und in der Folge für sich agieren.
 
Wie kann eine zukunftsorientierte Krankenhausplanung aussehen?
Für mich muss die Qualität ein eigenständiges Planungskriterium werden. Die Qualität spielt in der Krankenhausplanung bisher nur eine untergeordnete Rolle. Zum einen gilt eher der Grundsatz „Wer will, der darf.“ und nicht etwa „Wer kann, der darf.“. Zum anderen fehlt es an einer in die Zukunft gerichteten Planung, die auf Basis von Erreichbarkeits- sowie Qualitätsaspekten Patientenströme lenkt und Behandlungspfade definiert. Stattdessen wird gegenwärtig vor allem die in der Vergangenheit tatsächlich erfolgte Belegung von Betten krankenhausplanerisch nachvollzogen. Eine zukunftsorientierte Krankenhausplanung muss vor allem drei Aspekten Rechnung tragen: 1. Es müssen ausreichende Behandlungskapazitäten zur Verfügung stehen. 2. Die Behandlungsangebote müssen gut erreichbar sein. 3. Die Strukturqualität muss bei allen Planungsentscheidungen ein wesentliches Leitkriterium werden. 
 
Im Interesse des Patientenschutzes und der Effizienz der Leistungserbringung muss eine zukunftsorientierte Krankenhausplanung darüber hinaus die Spezialisierung der Krankenhäuser vorantreiben. 
 
In ländlichen Regionen brauchen wir die Umwidmung von Krankenhäusern in Gesundheitszentren zur ambulanten und stationären Versorgung. Nicht zuletzt ist auch das Land gefordert: Es muss ein Beitrag zur qualitativ hochwertigen Krankenhausversorgung dahingehend leisten, dass sie die Investitionsmittel weiter aufstockt. Trotz erkennbarer Anstrengungen des Landes hat die unzureichende Investitionskostenförderung dazu geführt, dass einerseits ein ganz erheblicher Förderstau aufgelaufen ist und andererseits der Anteil der Investitionskosten an den Gesamtkosten der Krankenhäuser kontinuierlich gesunken ist. Die Krankenkassen tragen die Folgekosten der Planungsentscheidungen ohne selbst darauf Einfluss nehmen zu können. Wir haben derzeit im Rahmen der Krankenhausplanung lediglich ein Anhörungsrecht. Die Einhaltung der Qualitätsvorgaben muss durch Strukturprüfungen und die Qualitätsergebnisse müssen durch Auffälligkeitsprüfungen kontrolliert werden können. Hierfür muss eine Rechtsgrundlage geschaffen werden. Ebenso müssen Kündigungen von Versorgungsverträgen durch die Kassenverbände aus Qualitätsmängeln rechtlich leichter möglich sein. Hierfür ist die Rechtsgrundlage entsprechend zu erweitern. Daneben ist der Rechtsschutz der Krankenkassen zu stärken, indem Klagen gegen krankenhausplanerische Entscheidungen des Landes möglich werden. Auch in den Budgetverhandlungen sollten Leistungen mit dauerhaft schlechter Qualität rechtsverbindlich ausgeschlossen werden können, was derzeit nicht möglich ist. 
 
Alles in allem: Eine zukunftsorientierte Krankenhausplanung muss sicherstellen, dass flächendeckend ausreichende Behandlungskapazitäten zur Verfügung stehen. Dabei hat eine hohe Behandlungsqualität grundsätzlich Vorrang gegenüber wohnortnahen Lösungen. Die daraus resultierende Spezialisierung dient auch dem Patientenschutz. Die Qualität der Behandlung sollte im Übrigen durch entsprechende Vergütungsanreize und durch die Möglichkeit zum Versorgungsausschluss gefördert werden. Ebenso ist eine insgesamt ausreichende Investitions- und Betriebskostenfinanzierung essentiell. Soweit die Konzentration der stationären Angebote zu einem Abbau von Krankenhausbetten führt, soll die dadurch frei werdende Infrastruktur insbesondere in ländlichen Räumen zu sektorenübergreifenden Versorgungszentren weiterentwickelt werden. Bei der Neuordnung und der Durchführung der Krankenhausplanung sollte stärker auf das bei den Krankenkassen vorhandene Expertenwissen zurückgegriffen werden.
 
Wie wichtig ist Sport, um gesund zu bleiben?

Aus meiner Sicht ist Sport immer auch Prävention und trägt eindeutig zum Wohlbefinden eines Jeden bei. Von daher ist der Sport auch Bestandteil unserer Präventions- und Gesundheitsförderungspolitik. Im Handlungsfeld Bewegungsgewohnheiten des Leitfadens Prävention werden zum Beispiel Kriterien benannt, wie Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität vermieden werden kann. Unsere zentrale Prüfstelle Prävention als bundesweite Einrichtung der gesetzlichen Krankenkassen zertifiziert Kurse in Sportvereinen, sofern diese Kriterien erfüllt sind. Sport ist wichtig und sollte Spaß machen.
 
Was sind für Sie wichtige Elemente, um bewusst und gesund zu leben?
Dazu zählt für mich zum Einen die Erkenntnis, in eigener Verantwortung etwas für mich selbst zu tun. Wenn beim Sport bzw. bei der Ernährung dann auch noch der Faktor Spaß und Freude dazu kommt, sind die Grundvoraussetzungen gelegt, um bewusst und gesund zu leben. Auch das persönliche Umfeld muss selbstredend passen. 
 
Inwiefern profitieren Sie von der Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsnetzwerk Schwarzwald-Baar?
Das Gesundheitsnetzwerk Schwarzwald-Baar – in welchem ich ja auch zwei Jahre vor Ort aktiv mitgewirkt habe – ist für uns ein anerkannter und qualifizierter Partner. Das Gesundheitsnetzwerk SBK hat seit seinem Bestehen immer wieder wichtige Gesundheitsthemen für den Schwarzwald-Baar-Kreis aufgenommen. Das Gesundheitsnetzwerk war bereits tätig, noch bevor das Land Baden-Württemberg mit dem Landesgesundheitsgesetz die kommunalen Gesundheitskonferenzen verpflichtend eingeführt hatte. Dem Gesundheitsnetzwerk Schwarzwald Baar kann ich an dieser Stelle für die bisherige Arbeit, aber auch die Zusammenarbeit nur ein Kompliment machen.  Ich kann nur sagen: Weiter so! 
 
Nach Dienstschluss: Diensthandy an oder aus?
Diensthandy aus! Allerdings ist dies Anlass bezogen manchmal leider nicht immer möglich. Meist steht dann aber ein anstehender wichtiger Anruf bereits im Vorfeld fest.
 
Wie kann ein Altern in Würde gelingen?
Entscheidend ist für mich bei dieser Frage die Selbstbestimmung jedes Einzelnen. Es muss möglich sein, trotz notwendigen Hilfebedarfs ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen, weil das der Würde des Menschen entspricht. Die Angebote auf konkrete Wünsche der Pflegebedürftigen müssen entsprechend ausgerichtet werden. Der Mensch ist selbstbestimmt, sehr viele wollen aus nachvollziehbaren Gründen in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben, hierzu müssen alle Verantwortlichen die dazu nötigen Voraussetzungen schaffen. In diesem Zusammenhang unterstützen wir auch neue Wohnformen mit dem Wohn-, Teilhabe- und Pflegegesetz. Wir müssen wieder zu mehr Generationen übergreifende Strukturen zurückfinden, das durchdenken und danach handeln. Wir müssen Unterstützungsarrangements mit Strukturen des bürgerschaftlichen Engagements und der Selbsthilfe verknüpfen.
 
Was reizt Sie daran, im Gesundheitswesen zu arbeiten?
Die Menschen und die Herausforderungen des Gesundheitswesens. Es lohnt sich für unser Gesundheitswesen einzutreten. Wenn wir dann gemeinsam zu tragfähigen Lösungen kommen ist das wie ein Geschenk. 
 
Haben Sie einen Lieblingssport im südlichen Schwarzwald?
Ich habe zwölf Jahre in Donaueschingen gelebt. Von daher sind mir der gesamte südbadische Raum und insbesondere der Schwarzwald-Baar-Kreis vertraut und werden von mir geschätzt. Lieblingsorte gibt es viele: die raue, aber sympathische Baar, die Donauquelle, Brigach und Breg, aber auch die Wutach-Schlucht, Schauinsland oder der Feldberg. In früheren Jahren war ich stark mit dem Fußball verbandelt, heute wandere ich oder bin mit dem Fahrrad unterwegs.